31.12.12

silvester

2005. bodhgaya. silvester. irgendwann vor mitternacht. unter unserem guesthousebalkon ein kleiner haufen ausgelassener inder. aufgedreht. enthusiastisch. extatisch. betrunken. runterspringen - lächeln - knipsen - wieder hochspringen. mit d. über das leben reden. einschlafen. wann war eigentlich mitternacht? oder kam die noch? die jungs waren schon weitergezogen und man hörte nichts mehr. 2006. 

auf jahresbilanz hab ich heute keine lust. muss sachen zusammenpacken. will heute beim doppelkopf gewinnen. schon jaaaahre nicht mehr gespielt. habt nen feinen jahreswechsel. und viel amüsemang in 2013!

29.12.12

alkohol II


rajasthan. chandelao. ich schlendere an der rezeption vorbei. da sitzt sajjan (die mutter des besitzers, im bild oben) und wühlt in einem haufen geldscheinen. um sie herum inder singh, chota, omar, adu und die anderen angstellten. sie lachen und schwätzen und strahlen. sajjan hat die tipp-box geöffnet und heute bekommt jeder seinen teil. besonders die norwegische gruppe war sehr großzügig und die ausbeute reichlich. ich frage: was macht ihr damit? was schönes kaufen? omar grinst: party! chota will lieber alles seiner mutter in die hand drücken. als ich vom spaziergang zurückkomme, sehe ich sie alle durch das dorf laufen.

als ich am abend in die küche gehe, um meine wasserflasche aufzufüllen, ist der koch fröhlich wie nie. er erzählt mir tausend dinge und lacht und freut sich. ich verstehe nichts, da er marwari spricht. am liebsten will er mit mir durch die küche tanzen. ich flüchte lachend hinaus. chota sagt: er ist verrückt. sajjan zieht mich zur seite: oh je, er hat sich von dem ganzen trinkgeld gleich alkohol gekauft. jetzt ist er ziemlich neben der spur. man muss ein bisschen auf ihn aufpassen. aus der küche hört man den koch singen. ich frage: kommt das öfter vor? ist alkohol hier ein problem? sie sagt: nein, nicht so sehr. aber an manchem zahltag feiern sie dann doch ziemlich doll. und bei hochzeiten, da muss man irgendwann aufpassen.

das abendessen hat dann doch wider meines erwartens sehr gut geschmeckt. und der koch hatte noch eine weitere fröhliche zeit.

blöderweise habe ich die angstellten nie wirklich fotografiert. außer den oben, dessen namen ich gerade nicht parat habe. ein stiller junger ernsthafter mann.

28.12.12

geschachteltes indien





mir war gerade etwas nach erinnerung, wo ich schon weihnachten die bilder von 2005 rausgeklaubt hatte. und so bin ich noch ein wenig mehr in den bildern von einer 2-monatigen gesamtindienerkundungsreise in 2005/06 herumspaziert und da fiel mir auf, dass ich wesentlich mehr so "schachtelbilder" gemacht habe. und ich frage mich gerade, wieso ich das jetzt seltener mache, weil ich die doch sehr ansprechend finde. und es juckt mich fast in meinen ganzen körperfasern, gleich wieder hinzureisen und weitere schachtelbilder zu machen. weil indien ja oftmals ziemlich schachtelig ist.

27.12.12

wäsche waschen



wenn ich in der schule in zanskar bin für die kamerakidz, dann wohne ich im gästehaus des angeschlossenen internats. da ist alles ziemlich einfach und man muss z.b. immer seine wäsche selber waschen. ich seh immer zu, dass ich genug saubere handtücher bei hab. ich wasche nicht so gerne im kalten wasser. eigentlich macht man das an der stelle, die im untersten foto ist. aber weil die bauarbeiter ziemlich oft das wasser von dort brauchten, mussten wir auf die handpumpe zurückgreifen. ich auch den einen tag.

ich wanderte also mit meinem eimer wäsche nach unten, pumpte wasser in den eimer, gab flüssige outdoorseife dazu und rubbelte und wrang meine wäsche. danach mehrere spülgänge. das fanden die kinder ziemlich interessant, die eine andere art des wäschewaschens haben. währenddessen kamen drei ca. 6jährige jungs an, der eine mit dreckiger jeans und einem seifenstück in den händen. er legte die jeans unter die pumpe, seine kumpels hängten sich an den schwengel und pumpten, bis die hose schön nass war. dann fuhrwerkte er mit der seife darauf herum, rubbelte besonders die dreckigen stellen ordentlich ein und seine kumpels griffen wieder zum schwengel, um ordentlich wasser zum spülen drüberlaufen zu lassen. die hose wurde dann mehrfach ausgewrungen und am ende zu zweit nochmal zusammengedreht und dann über den zaun zum trocknen gehängt. und dann zogen sie ab zum spielen.

währenddessen dachte ich an meine eigene kindheit und die heutigen pökse, die in diesem alter sicher niemals so eine selbstverständlichkeit mit waschender wäsche an den tag legen würden. ich damals auch nicht.

ich hab die kinder noch nie beim waschen fotografiert, aber jigmet lhamo hat unsere waschszene festgehalten (ich bin die im roten oberteil), tundup dolkar hat den jungen an der handpumpe fotografiert und stanzin daskong das unterste foto.

26.12.12

alkohol

zanskar. ich bringe sonam dolma den kalender und ihre abzüge. ein mann hockt draußen am eingang, als wir wieder rausgehen. sie sagt: "that's my father". er sieht mich, greift meine hände, strahlt über das ganze gesicht, möchte mich an seine brust drücken und ist sehr gut drauf. seine alkoholfahne wirft mich fast um.

thardot erzählt: alkohol ist ein großes problem, besonders im winter, wo es nichts zu tun gibt udn die leute sich besuchen. dann trinken sie und müssen zum schlafen bleiben, weil sie nicht mehr gehen könne. da kann es auch leicht zu übergriffen auf mädels kommen. deswegen versucht man, den alkohol einzudämmen.

als wir uns im dunkeln auf den heimweg machen, torkelt ein mann mit heftiger schlagseite durch das dorf.

24.12.12

weihnachten in joshimat

2005 war ich auch mal heiligabend in indien. da bin ich den ganzen tag in einem schaukelnden bus von rishikesh bis einiges vor joshimat gefahren. da hat der bus dann seinen geist aufgegeben und alle mussten auf irgendwelche anderen fahrzeuge hoffen. abends kam ich an und schnatterte. es war eisig. und null wärmequelle im hotel. ich suchte ein telefon (internet gab es nirgends) und rief meine familie an. dann aß ich zu abend - ich weiß noch, pommes zur feier des tages. und indischen süßkram. eine familie aus mumbai schikanierte im lokal die armen bediensteten. dann zog ich aller verfügbare unterwäsche an und packte alle verfügbaren decken über mich und schlief. am nächsten tag fuhr ich mit der seilbahn nach oben und erfreute mich an den bergen. eigentlich hoffte ich damals, dass ich skilaufen könnte, aber es hatte noch nicht geschneit. am nächsten tag fuhr ich wieder in wärmere gefilde. ja, so war das damals. nicht so weihnachtlich.









heute sitze ich in einem haus mit zentralheizung, draußen ist es elendig grau und flach und drinnen sehr weihnachtlich mit einem baum, den ich gerade mit lametta behangen habe. später gibt es geschenke und kartoffelsalat. und morgen die große verwandtschaft.

fröhliche weihnachten ;-)

23.12.12

winterwandern







gestern war probelaufen. wandern im kalten schnee. mit eisigem ostwind. wie auf der wintergruppenreise in ladakh, die ich leiten werde (zu finden hier - es wären noch wenige plätze frei). obwohl ich da auf blauen himmel ohne ostwind hoffe. hat alles gut geklappt. nur beim picknick haben die hände angefangen zu klappern. und dann bekam ich noch alu-wärmesohlen geschenkt. damit die füße auch wirklich keine probleme kriegen.

22.12.12

zanskarische kinder





manchmal stößt man in büchern auf beschreibungen, da fragt man sich, ob man die gleiche gegend besucht hat. ich zitiere aus einem buch von einem franzosen, der einer der ersten westlichen besucher in zanskar war:
"auf dem weg zu dem berühmten tschörten begleiteten uns zehn zerlumpte, übermütige kinder, die den pförtner aufzogen und ihr ganzes frechheitenregister spielen ließen. von komplexen konnte bei diesen kleinen biestern wirklich nicht die rede sein. während die meisten asiatischen kinder ernst und eingeschüchtert in die welt blicken, sind die kinder der himalaja-völker, und insbesondere der zanskaris, unerzogene, laute, zappelige kleine affen, die sich ständig gegenseitig von felsen schubsen und in gefährliche situationen bringen, so dass man sich wundern muss, dass sie dabei nicht umkommen."

21.12.12

besitzübergabe



zanskar. ich spaziere mit thardot durch youlang. bei einem haus ist ein zelt aufgebaut. thardot erzählt: da findet gerade eine besitzübergabe statt, d.h. der vater übergibt den besitz an seinen ältesten sohn. alle felder, tiere und güter werden genau aufgelistet und dem sohn übergeben. am ende bekommt er ein großes vorhängeschloss, damit ihm niemand seinen frisch erworbenen reichtum wieder wegnimmt. symbolisch gesehen. alle nachbarn werden zum essen in das zelt eingeladen und bringen 10-20 rs. mit.
in zanskar ist es per gesetz verboten, felder aufzuteilen und/oder teile zu verkaufen. der besitz gehört immer zusammen. würde er geteilt werden, würde es nicht mehr reichen. und so kann niemand stück für stück an sich raffen oder geschwister untereinander um anteile streiten, alles ist genau geregelt.

20.12.12

thunfischpizzabeichte

dies ist eine doppelbelichtung, wo sich die thunfischpizza durchgesetzt hat. die thunfischpizza befand sich in ladakh. ich finde, das tut man eigentlich nicht - thunfischpizza essen. wegen der thunfische. erst recht nicht in ladakh. wegen dem käse und der transportwege. das ist politisch nicht korrekt. manchmal ist mir die politische korrektheit wurscht. da habe ich einen großen appetit auf eine thunfischpizza. wenn ich in ladakh bin. erst recht, seitdem es ein lokal gibt, wo ich die richtig gerne mag. hätte daniela mir das damals nicht gezeigt und mich ihre thunfischpizza probieren lassen - ich wäre nicht in versuchung geraten. und jetzt muss ich da manchmal hin. danach ist es mir dann ein bisschen peinlich. aber mein bauch ist glücklich.

17.12.12

jittu

jittu ist guide. er stammt aus einer schneidersfamilie. er erzählt:
als junge war ich sehr faul. ich habe lieber mit den kumpels rumgehangen als zur schule zu gehen. einmal lungerten wir irgendwo herum und eine touristin kam und fragte uns nach dem weg zu den jain-tempeln. ich führte sie hin und sie drückte mir 200 rs. in die hand. 200 rs.! so viel! nur weil ich ihr den weg gezeigt hatte. mir schien, tourismus müsse eine goldgrube sein, wo man für kleine gefälligkeiten unglaublich viel geld bekommen würde. ich beschloss, guide zu werden.

nur - ich konnte nichts. ich wusste nichts. ich konnte kein englisch. aber es gab eine prüfung, wo man all das wissen und können musste. es war eine harte zeit. aber ich habe gelernt, dass lernen spaß bringen kann. wenn man weiß, wofür. und ich habe auch gelernt, dass ich wirklich gerne guide bin. auch wenn es keine goldgrube ist.

16.12.12

gebildete mädchen


zeitungsnotiz
rajasthan. ein mädchen wurde im kindesalter einem jungen zur späteren ehe versprochen. sie wuchs auf, ging zur schule und dann auf's college. der junge nicht. als beide alt genug waren, erinnerten die jungseltern an das eheversprechen, aber das mädchen und seine eltern wollten nicht mehr, da der junge so ungebildet war und das als nicht passend empfunden wurde. sie wollten alles rückgängig machen. das wollten aber die jungseltern nicht und gingen zum panchayat (dorfrat). dieser verdonnerte die mädchenfamilie zu einer strafe von 35.000 rs. das fand diese nicht richtig und ging eine instanz höher. dort stimmte man ihr zu, die zahlungsaufforderung wurde zunichte gemacht und der jungsfamilie verboten, die mädchenfamilie zu belästigen.

wenn ein mädchen aus einfachen verhältnissen bildung hat, steigen ihre chancen für eine gute heiratspartie. oder sie fallen, wenn es nicht genügend gebildete jungs in der gleichen kaste gibt. es ist besser, wenn der junge mehr bildung hat als das mädchen. sagen die rajasthanis.

15.12.12

fußreifen und kamel


"die fußreifen meiner frau wiegen zusammen 750 g und kosten ca. 60.000 rs. (950 euro). ein durchschnittliches kamel kostet rund 45.000 rs. meine frau ist also mehr wert als mein kamel. hahaha."

13.12.12

trampen in zanskar

wenn ich in der schule in zanskar bin, fährt von dort morgens ein bus in die hauptstadt padum und nachmittags wieder zurück. sonntags gar nicht. manchmal dauert es mir zu lange oder ich brauche länger oder es ist sonntags. dann habe ich die wahl zwischen 3 std. laufen oder trampen. da die verkehrslage extrem ruhig ist, d.h. oftmals 2-3 autos pro stunde, läuft es meistens auf eine kombi von laufen und trampen raus. es gibt zwei pluspunkte beim trampen. 1. es nimmt einen fast jedes fahrzeug mit und 2. meistens erlebt man irgendwas komisches. oftmals sind es die mitfahrenden. letztens wunderte ich mich, dass ein flottes taxiähnliches auto mit nur 2 einheimischen drin hielt (meistens sind sie schon vollgestopft). dann wunderte ich mich, dass es etwas streng roch, obwohl es so ordentlich aussah. und dann wunderte ich mich, als ich einen atem an meinem hals spürte. ich verjagte mich, dreht mich um und guckte einem kalb in die treuherzigen großen dunklen kulleraugen. es befand sich offensichtlich schon länger im auto und hatte es bereits als toilette genutzt.

ein anderes mal war ein privatauto schon proppenvoll und ein weiterer mitfahrwilliger stellte sich auf das trittbrett außen und hängte sich an das geöffnete fenster. manchmal steckte er seinen kopf nach unten, um dem fahrer etwas zu erzählen. ich beteiligte mich am gespräch. es ging um den harten winter. der trittbrettfahrer steckte mal wieder seinen kopf nach unten und rief: "winter is drinking chang and making babies". und dann schüttete er sich aus vor lachen und wir befürchteten, er könne vom trittbrett plumpsen. immerhin hatten wir ein durchschnittstempo von 20 km/h drauf. chang ist das selbstgebraute gerstenbier

12.12.12

kein leichtes thema


zanskar. ich spazierte mit thardot zu einer familie in youlang. wir kamen an einem haus vorbei und er sagte:
hier ist etwas trauriges geschehen. gestern haben die leute die leiche von dem sohn  gebracht. er war 16 und in ladakh auf einer weiterführenden schule. er hat sich umgebracht.
warum?
das wissen wir nicht.
hat er keinen abschiedsbrief hinterlassen?
vielleicht, aber die familie erzählt nichts.
was sollen sie auch sagen. was sagt ihr zu denen?
wissen wir auch nicht. im buddhismus ist selbstmord etwas sehr sehr schlimmes. wenn das jemand macht, wissen wir nicht, wie wir darüber mit der familie reden sollen.
dabei gab es in ladakh in den letzten jahren so einige selbstmorde.
ja. in zanskar noch nicht so. aber das ist schlimm.
wir erreichten das haus der familie, die wir besuchen wollten und waren vielleicht beide ein bisschen froh, dass wir erst einmal nicht weiter darüber sprechen mussten. aber gedanklich ist es bei mir nicht fort.

11.12.12