31.10.13

triund-wanderung / 1

von mcleod ganj auf 1.700 m gibt es eine wanderung auf einen bergrücken mit nahmen triund auf 2.800 m. das erscheint manchen von den zahlen her als eine sehr gewaltige wanderung, war es aber aus meiner erinnerung weder von 1992, wo ich sie das erste mal gemacht hatte, noch von später so zu sein. und so ging ich nochmal testen und befand es immer noch so. 3,5 - 4 std. hoch und 3 wieder runter. allerdings gibt es eine neuerung: man könnte auch mit einem auto die erste wanderstunde mit 600 höhenmetern abkürzen. haben aber nicht viele gemacht.

anders als früher war sicherlich das menschenaufkommen, aber es kann auch am sonntag gelegen haben, dass so viele inderInnen unterwegs waren. und der weg war irgendwie breiter geworden. man kann auch oben nächtigen oder einen mehrtägigen trek weiter in das chambatal machen, deswegen die beladenen pferdchen. und man hat es meistens, dass man im sonnenschein losgeht und oben der nebel aufzieht.

aber ich glaube, damals hat der tee auf der hütte keine 30 rs. gekostet. was für ein stolzer preis....
















28.10.13

tschüß kulutal






ein letztes bildersammelsurium - und danach gibt es bilder von woanders ;-) aber war schon schön da. fotografisch ist es nicht so ganz "meine gegend", aber "sein" tue ich da sehr gerne. durch die schmalen dorfgassen mit den fleißigen leuten laufen. die berge angucken und drin rumlaufen. feinen kaffee wo trinken. aber am allerschönsten ist - und das kann ich nicht fotografieren - dass es an verschiedenen stellen nach zedernholz riecht. eines der schönsten gerüche finde ich.

27.10.13

kulutal-schule

die frau von dem direktor der zanskar-schule ist ebenfalls direktorin. ebenfalls an einer privatschule. die wird aber nicht aus einem fremden land gesponsort, sondern von da bzw. die kinder zahlen auch recht hohe schulgebühren. sie liegt auch nicht in zanskar, sondern im kulutal. das sind wahnsinnig viele autostunden voneinander entfernt und die beiden sehen sich somit monatelang nicht.

die schule von der direktorin ist noch ziemlich jung (ca. 1,5 jahre) und hat erst 95 kinder bis zur ich glaube 3. klasse. sie haben schöne schulzimmer, feines lernmaterial und lernen, singen und basteln sehr viel. und draußen toben sie dazwischen rum. und das macht manche so müde, dass sie während der stunde ein nickerchen halten müssen.

sie werden mit autos zur schule gefahren und wieder nach hause und die direktorin kümmert sich um jedes einzelne kind, hält mit den eltern kontakt und schaut, wie es am besten seine fähigkeiten entfalten kann.











25.10.13

zwischen dem busfahren

bin ich gewandert. von naggar rauf nach rumsu, einem schönen traditionellen dorf mit netten menschen, dann quer auf pfaden zu einem anderen nicht so pittoresken dorf, dann zu einem tempel auf einem berghangsrücken und dann wieder nach naggar. 3-4 gehstunden, schöne aussichten -> top. kommt in die liste für was ich reisenden in manali empfehlen kann.

nur mit dem tempel, das war ein bisschen doof. kein schild. schuhe habe ich automatisch ausgezogen, gürtel vorsichtshalber abgemacht (ist in manchen verboten wegen dem kuhleder) und bin rein. tür stand offen, einer schmückte eine statue und sang vor sich hin. also bin ich auch in das tempelinnere. das war aber falsch. eine frau meckerte von hinten los und ich bin schuldbewusst wieder raus. eine andere kam sofort reingerauscht, versprühte flüssigkeiten und murmelte und murmelte und machte rum. das gibt schon ein bisschen doofes gefühl. als sei man dreckiges ungeziefer. es gibt wenige tempel, wo man als ausländerin nicht reindarf. da finde ich es doch angebracht, das draußen anzuschreiben, woher soll man das wissen, in welche kategorie dieser tempel gehört? komisch, hat mich wirklich sehr unangenehm berührt die geschichte.














22.10.13

kindergeschichten V

als letzte habe ich noch eine ganz heftige kindergeschichte. die hat nichts mit den geldübergaben zu tun. aber man kriegt einfach manchmal ein bisschen mehr mit.

ich ging im september zu stanzin kunzal, einem älteren mädchen, für die ich mir noch was einfallen lassen muss. ich finde, sie fotografiert phantastisch und begeistert mich mit ihren bildern. 2011 war sie in der 8. klasse und hatte die kamera für einen tag. sie macht eigenwillige bilder - die eignen sich nicht so wirklich für kalender. aber ausstellung, reportage, es wird irgendwann viel von ihr zu sehen geben. jedenfalls hatte ich ihr im juni eine kamera gegeben, mit der sie durchfotografieren konnte, bis ich im september wiederkam. ich besuchte sie und wollte eigentlich die bilder auf den laptop ziehen und mit ihr angucken. nur blöderweise hatte ich das kartenlesegerät vergessen.

wir beschlossen dann, ihre früheren bilder anzugucken. ich sagte, was ich daran leiden mochte, stellte fragen, sie erzählte von sich aus was. dann tauchte aus 2012 ein foto von einem jungen aus. sie guckte mich irgendwie verlegen an. "er hat sich einen strick genommen" und macht eine hand-hals-bewegung. ich gucke sie verwirrt an: "was meinst du?" "er ist tot". sie weiß nicht wie sie gucken soll. ich weiß nicht, was ich sagen soll. "du meinst, er hat sich umgebracht?" "ja, mit dem strick. aufgehängt. im winter" sie ruckelt rum und zuckt im gesicht. ich sage: "dieser kleine junge? wie alt war er?" "13" ich bin eigentlich sprachlos, brabbel dann aber vor mich hin: "waaaaas? 13? das ist doch viel zu klein. wieso macht er sowas?" "ich weiß nicht. er hat am balken von der decke gehangen" "war er so unglücklich? habt ihr nichts gemerkt?" "nein, keiner weiß was". wir wissen auch nicht recht weiter.

wir gucken weiter bilder, aber in meinem kopf rattert es. hinter meinen augen sitzt eine riesige traurigkeit. und fassungslosigkeit. was ist das für eine gesellschaft, wo so kleine kinder sowas machen? ich denke, ich muss irgendwas erwachsenes sagen. ich gucke kunzal ernst in die augen und sage: "bitte versprich mir, wenn dir irgendwie solche gedanken kommen, wenn du traurig bist oder so, sprich mit jemanden drüber! und lass dir von mir sagen, dass es vorübergeht. nichts kann so schlimm sein, dass man sich umbringen muss. es wird irgendeine lösung geben" ich komme mir total bescheuert vor. hilflos. ich gehe bald zurück.

im internat treffe ich den direktor und einen lehrer. ich sage, dass ich reden muss. sie sind sehr lieb, nehmen sich zeit und setzen sich mit mir hin. der direktor sagt, dass er mir doch schon im juni davon erzählt hat. zuerst behaupte ich steif und fest, dass das nicht sein könne. später räume ich ein, dass ich es vielleicht verdrängt habe. auf jeden fall ist es jetzt anders, weil ich das gesicht gesehen habe. ein kleiner süßer junge. der genauso aussieht wie alle anderen kleinen süßen jungs. er ging in die 5. klasse, die kannte ich nicht einzeln. aber sie hatten mir vorgesungen und ich hatte es aufgenommen. und dann hatte ich ein foto von ihnen gemacht.


21.10.13

kindergeschichten IV

oftmals erfahre ich die kindergeschichten erst nach einiger zeit, z.b. bei der geldübergabe. oft meine ich so einiges aus den fotos, die die kinder mir bringen, herauszulesen. teilweise kenne ich ihre mütter, väter, geschwister, tiere schon bevor ich sie in real sehe. oder ich komme beim besuch in räume, die ich von den bildern her erkenne.

bei einigen jungs aus chandelao wat ich allerdings verwirrt und konnte ihre familien nicht wirklich ausmachen. und so war ich neugierig, als ich sie für die geldübergabe besuchte. der eine hatte eine riesige großfamilie, die in mehreren gebäuden auf einem hof wohnten. er war der "großverdiener" unter den kamerakidz und an dem nachmittag der große star der familie. sie deuteten immer wieder auf die kalenderfotos, klopften ihm auf die schulter und lachten.

bei einem anderen musste ich feststellen, dass ich ihn völlig falsch eingeschätzt hatte. j. erschien mir eher wie ein recht verwöhntes kind einer nicht armen familie. die wahrheit war, dass sein vater sehr früh bei einem verkehrsunfall starb und seine mutter ihn und 2 weitere geschwister alleine aufzog. alle herumstehenden bestätigten mir, dass es eine ganz tolle starke warmherzige frau sei. sie kam auch gleich mit einem tee angewuselt. sie hatten ziemlich wenig geld. ein großonkel bezahlte die schulgebühren für den jungen und so hofften alle und insbesondere er, dass er was draus machen würde. sein großes ziel ist, geld zu verdienen und als erstes seiner mutter was zu geben. am liebsten als lehrer. und jetzt hatte er schon mal einen kleinen betrag, den er ihr auch sofort zusteckte.

hier ein paar fotos, die j. gemacht hat: