30.09.09

mehl mahlen II






die mehlmahlzeiten ändern sich zanskar. man kann sich einen trecker mit einer aufgesetzten mahlmaschine ausleihen und die mahlt schwuppdiwupp ganz viele körner in kürzester zeit zu mehl. das ganze ist mit motorenlärm verbunden, muss frühzeitig passieren (sie haben gegen 5:00 angefangen, da später der starke wind kommt), es kostet 400-500 rs. die stunde und man kann alle nachbarn einladen, ihre körner ebenfalls anzuschleppen und mahlen zu lassen. währenddessen trinkt man tee, schwätzt wegen dem lärm nicht ganz so viel und hat danach aber ganz viel zeit, weil alles so flott ging.

29.09.09

mehl mahlen I



traditionelle art des mahlens der gerste. jemand im dorf hat sowas an einem bach errichtet, durch die wasserkraft dreht sich der mahlstein, oben kommen die körner rein und unten kommt das mehl heraus. man bringt seine körner dahin, bezahlt mit ein paar rupien oder sachwerten und trägt sein mehl wieder heim. dauert aber so seine zeit, in der man auch schwätzchen halten kann.

ich kann mich zwischen bild 1 und 3 nicht entscheiden. hilfe bitte ;-)

28.09.09

padum





padum ist die hauptstadt von zanskar, hat ca. 80 häuser, ich war kaum da und wenn, habe ich im internetcafe gesessen, im restaurant cola getrunken (4. bild) oder kaugummi für hildegards schulkinder gekauft (3. bild). außer am ende, da musste ich eine nacht da sein, weil das auto am nächsten tag sehr früh von da losfuhr. das war der tag, bevor der dalai lama kam und es war sehr voll (1. bild) und sie haben noch ein willkommenstor gebaut (2. bild). ich habe da nie viel fotografiert und selbst die vielen menschen am ende haben mich nicht so richtig animiert. bild 5 sind 2, die schaffelle bearbeitet haben.


dabei hatte mich padum eigentlich immer sehr fasziniert bei meinen früheren besuchen als einen der seltsamsten orte, die ich kenne, mit lauter verschiedenen leuten (arbeiter aus bihar, nepal, kashmir sowie moslemische und buddhistische einheimische), stetem nachmittagswind, viel herumfliegendem müll und so einer ganz verlorenen atmosphäre vom ende der welt (die straße hört da auch auf). aber die früheren besuche waren auch immer anfang oktober, wenn nix mehr blüht und es kalt wird und die leute weniger. ich muss nochmal hin (und dann da auch wohnen) und diese atmosphäre einfangen. wie oft schrieb ich eigentlich schon "ich muss nochmal hin"?

27.09.09

frühmorgens in rijing





die letzten einträge waren ja etwas wortlastig, deswegen jetzt ein paar bilder ohne viel schwafelei von einem spaziergang vor'm frühstück durch das dorf rijing

26.09.09

familiengeschichte III






lobsang ist der studentenbruder aus der familie. er muss im monat 4.000 rs. für seine unterkunft mit vollpension in jammu zahlen und arbeitet in der saison als trekkingguide. er sollte mit meiner reisekollegin einen trek machen (wofür er 500 rs. am tag bekam) - die beiden sind mehr oder weniger nur durch zufall mit mir zusammengekommen. und es hat sich dann eine recht interessante und emotionale geschichte ergeben.


lobsang hatte es offensichtlich nicht leicht, immer das ganze studiengeld zusammenzubekommen und auch, was man da noch zusätzlich braucht, da seine familie nicht wirklich geld zur verfügung hatte. und so war es für ihn ein oft wiederkehrendes thema und er wollte, dass die reisekollegin ihn sponsort, was sie nicht wirklich einsah, woraufhin er ihr geiz vorwarf und das thema zog sich sehr durch ihre bekanntschaft, wodurch der trek für beide sehr anstrengend und voller gegenseitiger vorwürfe war. sie hatte auch schnell das gefühl, dass lobsang besser mit mir klarkam/mich vorzog, weil er sich vielleicht viele jobs von meiner partneragentur erhoffte, die in ladakh einen sehr guten namen hat. das sponsorn war zwischen uns glücklicherweise kein thema - ich sponsore schon jemand, was die meisten ladakhis/zanskaris als ausreichend ansehen (ich frage mich schon, ob ich meine sponsorenschaft nicht u.a. aufrechterhalte, um in dieser sponsorenangelegenheit meine ruhe zu haben, da es relativ oft an westlerInnen angetragen wird).


ich fragte ihn auch, wovon er träume und er sagte, er wünsche sich, eine deutsche zu heiraten, die ihm große reisegruppen bringe, so dass er ein reicher reiseagenturbesitzer sein könne. ich fragte ihn dann weiter, was er denn mit dem ganzen reichtum machen würde. seine antwort: arme leute in zanskar sponsorn, d.h. bildung und evtl. gesundheitswesen finanzieren.


diese ganze geschichte geht mir sehr viel durch den kopf, weil ich sie so interessant finde im hinblick darauf, wie unterschiedlich wir denken und bewerten. ich konnte mich nämlich folgender gedanken nicht erwehren:
  • der ist doch jung und kräftig und kann arbeiten, ich habe doch auch für mein studium gearbeitet (plus einen teil, den meine eltern dazugegeben haben) - bzw. es ist für "uns" doch eigentlich eher selbstverständlich, es erstmal selber zu probieren, unabhängig von quellen zu sein, u.a. auch um hinterher ein bisschen stolzer darauf zu sein, was man geschafft hat (ich hatte zuerst versucht, mein ganzes studium zusammenzuverdienen, merkte aber, dass es mich doch sehr viel zeit und energie kostete, bafög bekam ich nicht und so habe ich dann doch elterngeld genommen)
  • wieso will er eigentlich, dass wir gerade für ihn geld geben, es gibt in indien doch noch soooo viel ärmere menschen, die eigentlich eher unser geld gebrauchen könnten
  • ist diese masche mit geld in bildung und gesundheitswesen stecken statt für sich nehmen eigentlich "kalkül", weil westler "sowas hören wollen" oder denkt er das tatsächlich?

mir schien er als sehr anschauliches beispiel dafür, wie anziehend geld und westliches reiseverhalten auf so einen jungen zanskari wirken, der nicht mehr die erdung und zufriedenheit ausstrahlte, die ich so anziehend bei ladakhis/zanskaris finde. bzw. in den vielen momenten, wo er nicht daran dachte, er nicht gerade irgendwas vor augen hatte, sondern seine sachen verrichtete, mit seiner familie schwätzte und rummachte, wirkte er doch ganz fröhlich und glücklich und auch sehr witzig, herzlich und liebevoll. er sagte aber auch, dass seine realität wahrscheinlich so sei, dass er nach dem studium zurück nach zanskar geht, keinen job findet, heiratet und vieh und felder bewirtschaftet. es gibt in zanskar so gut wie keine jobs und richtig weg würde er wohl doch nicht wollen - wie die meisten. was ich natürlich auch schwierig für die studienmotivierung finde. in zanskar buttern sie "wie blöd" in die bildung des nachwuchses, massig kinder werden gesponsort, man kratzt das geld zusammen, um sie auf gute schulen auch außerhalb, colleges und universitäten zu schicken - aber jobs gibt es nicht.


zwischen lobsang und mir ging es nur so weiter, dass er nach dem trek bei mir anrief wegen agenturempfehlung, ich sagte, dass ich erstmal hören müsse, wie nun der trek verlaufen sei, er dann aber erstmal zum dalai lama nach zanskar reiste und ich nach ladakh zurück. später rief er nochmal an und fragte nach, ich sagte, er könne am nächsten tag in die agentur kommen, ich sei dann da - aber er erschien nicht. wahrscheinlich hätte ich ihm eine art belehrung auf den weg gegeben, dass man als guide seine persönlichen gefühle der kundschaft gegenüber sehr viel mehr zurückhalten muss (muss ich ja auch, wenn ich reiseleitung mache) und wir ihn daher erstmal eher nur als helfer oder tagesguide nehmen würden.


aber nachdenken muss ich über die ganze geschichte schon noch, auch wie ich sie besser in worte packe, da ich sie so interessant finde. ich überlegte auch schon eine art serie zu gestalten unter dem titel "culture clash", wo man so beispielgeschichten/situationen nimmt und ein ladakhi und ich schreiben jeweils dazu, welches kulturelle denken dahintersteckt. mir scheint, dass meines schon von einer recht christlichen ethik durchdrungen ist. manchmal denke ich, ich hätte mich unbedingt nochmal mit ihm treffen sollen, um die verschiedenen denkweisen aufzudröseln (die der reisekollegin hatten auch noch andere individuelle hintergründe, warum sie das alles so auf die palme gebracht hat). während wir 3 zusammen waren, war mir vieles nicht wirklich klar. da ich beide personen mochte und da ja auch noch die familie war und ich, wie ich feststellen musste, harmoniebedürftiger war als ich vorher ahnte, war ich eher damit beschäftigt, eine art friedliche zeit hinzubekommen, als dass ich den ganzen gedanklichen hintergründen auf die spur gehen konnte. das kam erst später, als ich merkte, dass es mir nicht aus dem kopf ging und jetzt denke ich da auch noch öfter dran.


manchmal habe ich das gefühl, unsere kulturen trennen ganz tiefe gräben, aber das mag ich nicht, ich will lieber das erleben, wo das zusammensein harmonisch ist. aber ich glaube, ich sollte mich vielleicht doch mal um die gräben kümmern. vielleicht in geschichten. also ist dieser blogeintrag auch eine notiz für mich:
  • graben-geschichten über culture-clashs schreiben!
  • nachfragen und nachdenken!

25.09.09

familiengeschichte II





tundup und angmo haben eine arrangierte ehe (allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass die liebe auf jeden fall gekommen ist). tundup hatte in jammu studiert und hat auch als trekkingguide gejobbt. jetzt hat er einen job in der gouvernment-schule als "einsprunglehrer" (temporary teacher), d.h. er unterrichtet immer, wenn jemand fehlt oder stundenpläne aufgefüllt werden müssen. das gibt ziemlich wenig geld (2.000 rs im monat, volle lehrer bekommen ab 6./7.000 aufwärts). wenn man das 5 jahre gemacht hat, bekommt man eine feste volle stelle. er hat jetzt nur noch 1 jahr vor sich. die gouvernment-school ist dafür nur 50 m entfernt und geht bis zur 5. klasse.


nach ihrer hochzeit haben sie noch 3 jahre im elternhaus gewohnt und sind dann ausgezogen. seit 2 jahren haben sie ihren sohn norbu, der eigentlich im 30 min. entfernten krankenhaus geboren werden sollte, aber es war winter und zu viel schnee, da sind sie nicht hingekommen und es gab eine glücklicherweise unkomplizierte hausgeburt. das dorf hat zwar 40 häuser, aber die stehen weit auseinander und in der nähe gibt es gerade kein weiteres kind in norbus alter, so dass er immer alleine spielt.


sie haben auch noch 6 kühe, wovon 5 auf den sommerweiden sind, wo jemand sie gegen milch und geld hütet, diverse felder und einige ziegen. die ziegen werden immer alle zusammen reihum von jedem haus im dorf tagsüber gehütet - tundup war dran, als gerade ein klosterfest war, wo eigentlich alle hingingen und er auch sehr gerne dabeigewesen wäre. aber verpflichtung geht vor. bei den ganzen täglichen verrichtungen schien mir so, dass beide gleich eifrig, aber auch gelassen und fröhlich vor sich hin oder hand in hand arbeiteten.


es ist diese entspannte ruhe und heitere gelassenheit im alltag, die ich so unglaublich attraktiv in ladakh/zanskar finde. auf dem letzten bild besuchen die beiden uns auf einen tee im gästezimmer, wo ich meine reisekollegin abgeschnitten habe. aber auf diesen blick zueinander wollte ich bei diesen bildern nicht verzichten ;-)

24.09.09

familiengeschichte I





in ladakh und zanskar war es früher aus diversen gründen gang und gäbe, polyandrische familien zu gründen, d.h. eine frau heiratete mind. 2 männer, bevorzugt brüder. als die kolonialbriten das spitzkriegten, fanden sie das gar nicht gut und verboten es. und wie es mit von oben verordneten verboten so ist - je entlegener man wohnt, desto weniger kriegt das ordnungshütende auge etwas mit und so hat sich die polyandrie in zanskar noch länger gehalten als in ladakh. und so kann es einem passieren, dass man leuten begegnet, die 2 väter haben, so wie es bei der rukruk-familie der fall ist. die familiegeschichte ist - wie ich sie verstanden habe - so:


vor einigen jahrzehnten ging es den zanskaris nicht sehr gut und viele waren recht arm - so auch eine familie, wo die eltern starben. zurück blieben 2 söhne um die 15 jahre und man überlegte, was man mit denen am geschicktesten macht und dachte sich dann, es sei das beste, sie mit gemeinsam mit einer frau zu verheiraten, so dass zumindest der familienbesitz an feldern und vieh nicht geteilt werden müsste. die frau bekam dann 6 kinder: 2 sind mönch geworden, 1 fahrer, 1 hat einen springerjob als lehrer, 1 studiert und das nachzüglermädchen ist 15 und geht noch zur schule. die frau hatte eine nicht so gute konstitution, war oft kränklich und ist letztes jahr mit 52 gestorben. der 1. mann lebt in einem kleinen haus mit der tochter, der 2. mann 20 meter entfernt im haus des lehrersohnes. leider habe ich nicht die ganze familie kennengelernt und auch nur einzelne fotos. ganz oben ist mann nr. 1. mann nr. 2 war fast die ganze zeit woanders, nur einen abend und eine nacht war er da und so habe ich ihn nicht auf einem bild. dann ist da der lehrersohn, der student und die tochter.


theoretisch wissen die kinder ja nicht, welches ihr vater ist, aber wegen der ähnlichkeit war es zumindest bei den kennengelernten brüdern klar, welches ihr leiblicher vater ist. zuerst dachte ich auch, sie würden ihn vorziehen, aber als der andere auftauchte, kam es mir nicht mehr unbedingt so vor. einerseits hatte ich das bedürfnis, darüber reden zu wollen, weil es für mich nicht so einfach vorstellbar ist, wie es sich in so einer familie lebt. andererseits war deren umgang damit und miteinander so "alltäglich" und "unbesonders", dass ich dem thema auch nicht so eine spezielle wichtigkeit geben mochte, die es zumindest in deren leben nicht so hatte. und ich überlege beim schreiben auch gerade, dass ich im kontakt mit fremden leuten doch auch sehr auf harmonie bedacht bin und eher nach gemeinsamkeiten gucke. es sind sowieso schon reichlich unterschiede vorhanden. ich sollte trotzdem nochmal hinfahren ;-)
und auch zusätzlich mehr portraits und gruppenfotos machen zu den situationsfotos...

23.09.09

ein haus für den dalai lama




das neue haus für den dalai lama war von außen fertig, von innen noch nicht. aber es wuselten auch hier viele leute, u.a. lauter wichtige mönche aus zanskar, die jetzt aber in hohen klosteruniversiäten im süden indiens weilten und extra hochgekommen waren, um das ereignis mitzukriegen und zu helfen. gerade war der grüne teppich dran, der auf die schaumstoffmatten verlegt werden sollte. wir sind in das haus rein und ich glaube, das obere ist das zimmer, wo der dalai lama schlafen sollte und das unten der ausguck aus dem zimmer.


es ist mir ein bisschen unangenehm, aber ich habe da echt nicht gut geknipst, d.h. viel zu geringe ausbeute an bildern und zu viel mist. zum teil schiebe ich es auf das unattraktive licht, allerdings hätte ich trotzdem einfach oft besser gucken können. naja, kann ich vielleicht draus lernen.

22.09.09

eine straße für den dalai lama






der dalai lama wollte nach über 10 jahren mal wieder zanskar besuchen, was die leute ca. 1 jahr vorher wussten und seitdem wurde angefangen, geld einzutreiben (gouvernment und private spender) und zu bauen. er hat ein ganzes neues gebäude gekriegt und eine asphaltierte straße vom hubschrauberlandeplatz zu dem gebäude. im langen winter konnte niemand arbeiten und so waren 2 wochen vor seinem ankunftsdatum immer noch viele leute am rumrödeln. an dieser straße z.b. männer aus jammu. der teerbrenner hatte ein arg entzündetes rotes auge, nutzte jedes kleine päuschen zum rauchen und hustete dann tüchtig vor sich hin.

entschuldigung die vielen bilder - ich bin gerade so entscheidungsunfreudig, was "die besten" angeht....

21.09.09

gesichtsportraits zanskar





also jetzt so welche mit wenig umgebung, wo sich das bild mehr auf das gesicht konzentriert und sonst kaum was. so ganz wirklich sicher bin ich nicht, ob ich sowas mag. und wenn solche bilder, was die bedingungen dafür sind, dass ich welche mehr mögen würde als andere.

20.09.09

dhaba daba du -4-




dhabas in sankoo, einem islamischen ort ca. 2 fahrstunden hinter bzw. vor kargil von padum aus gesehen. auf der hinfahrt (oben) gab es frühstück in einem anderen dhaba als auf der rückfahrt das mittagessen (die drei unteren). am bemerkenswertesten war eigentlich der kaffee zum frühstück, damit hatte ich nicht gerechnet. und es war dann auch mein letzter für die nächsten 2 wochen. das mittag im unteren hatte gut geschmeckt, gemüsemischung auf reis. nix anderes als was ich auch die 2 wochen davor meistens zum mittag oder abend hatte ;-)