30.01.10

bettgeschichten aus indien I

so wie ich mal frühstücksgeschichten aus georgien geschrieben hatte, hatte ich mir als nächstes thema bettgeschichten aus indien überlegt. weil ich da auch immer was erlebt hatte, was ich erzählenswert fand. die erste geschichte ist aus ladakh und ich hatte an dem tag auch keine fotos gemacht. dafür gibt es oben ein anderes von mir von der reise zu sehen. aber hier nun die geschichte:

Es ist 1995 und ich bin das zweite Mal in Ladakh. Ich wandere mit meinem Rucksack von Likir aus zum Nonnenkloster Chulichan. Es ist Nachmittag als ich ankomme. Im Klosterhof sind einige alte Nonnen und Dorffrauen mit Arbeiten beschäftigt. Die abgeernteten Aprikosen werden getrocknet und Körner sortiert. Alle lächeln mich freundlich an, als ich den Rucksack abstelle und mich zu den Körnern geselle. Keine der Frauen spricht englisch, aber ich mache mit Gesten deutlich, dass ich bleiben und helfen möchte. Ich bekomme einen Platz zugewiesen, wo ich die schlechten Körner in eine Schale aussortieren soll. Zwischen den Frauen werden freundliche Scherzworte hin und her gewechselt, es herrscht eine leichte luftige arbeitsame Atmosphäre, wie ich sie schon öfters erlebt habe, wenn Frauen miteinander etwas tun. Ich freue mich, dass es dieses heimelige dazugehörige spezielle Frauengefühl überall auf der Erde gibt, sogar im entferntesten Winkel in Ladakh. Dass Frauengemeinsamkeiten sämtliche Grenzen überwinden.

Es wird Bettgehzeit. Der Himmel ist klar, die Nacht lau und es wird beschlossen, dass wir uns alle in einer Reihe in den Klosterinnenhof unter das Sternenzelt legen. Die Frauen breiten einige staubige Matten aus und rollen sich in ihren Kleidern unter in meinen Augen schmutzige Decken. Ich gehe Zähneputzen, wasche das Gesicht, creme mich ein, ziehe einen Schlafanzug an, breite meinen sauberen Schlafsack aus und nichts fühlt sich mehr gleich an mit diesen Frauen. Mit diesem Bettgehritual scheine ich alle Gemeinsamkeiten wieder ausradiert, unsere Lebensgrenzen verschärft zu haben und mir werden sämtliche Unterschiede in unseren Leben bewusst. Als wir so nebeneinander liegen und den gleichen Mond anschauen fühle ich mich nur noch fremd und anders.

28.01.10

manchmal...




...hege ich ganz romantische gefühle für hamburg. allerdings hatte ich meine lange unterhose vergessen und kalte beine.

24.01.10

bahnhof thesdorf


in meinem rucksack schlief ein beim julklapp gewonnener nussknacker mit zu kleinem knackmaul für walnüsse. in meinem bauch aalten sich huhn und lachs im vanillequark und kegelten mit den kirschen. in meinem kopf schwirrten 7 perlige frauenstimmen. nach 12 min. kam die bahn. der abend war vergnüglich gewesen.

21.01.10

vielleicht so?

jetzt habe ich mich bemüht, einiges umzusetzen und bin zu diesem ergebnis gekommen. allerdings gibt es auch immer noch hinter den kulissen befürworter von foto 2 und titel 2. und ich bin leider weiterhin eine entscheidungsunfreudige nulpe und lasse das jetzt erstmal ruhen und mach den vortrag weiter, da fehlt ja auch noch ungefähr 1/4....

19.01.10

entscheidungshilfebitte



ich bastel ja gerade meinen ladakh-lichtbildervortrag und bin zwar auch damit noch nicht ganz fertig, aber was mir zusätzlich noch fehlt ist titel und auftakt/plakatbild. hier mal 2 varianten (zum oberen gäbe es auch noch ähnliches in quer) und meine fragen:
  • welcher titel eher bzw. evtl. ein ganz anderer?
  • welche schrift (die finde ich sowieso immer am schwersten - dieses ist jetzt beides die gleiche)
  • welches motiv oder keines von beiden?
  • rot geht natürlich auch in diversen varianten ... oder wäre schwarz oder weiß besser?
ich bin gerade ziemlich entscheidungsunfreudig und geh jetzt ne runde laufen....
falls jemand nicht hierunter kommentieren mag -> ich wäre auch über normale e-mails diesbezüglich dankbar!

13.01.10

weggehen, hingehen, mitgehen, herumgehen

springen, schlurfen, schlappen, eilen, spazieren, rennen, pesen, kraxeln, plantschen, stampfen, tanzen, schleichen, schreiten, laufen, gehen, wandern, hopsen, stehen - mit diesen schuhen habe ich mindestens das alles gemacht. ungefähr 15 jahre lang. ich habe sie geliebt. heiß und innig. sie waren damals so teuer. aber im nachhinein noch wesentlich mehr wert gewesen. und diesen sommer mitten in zanskar, da hatte ich auf einmal so ein luftiges gefühl von unten, guck runter: sohle durch. zum schuster: er will einen alten autoreifen raufleimen und mit nägeln festhämmern. was für eine komische idee. darüber vergesse ich ganz das handeln. die nägel halten gar nicht mehr richtig, es fetzt von unten wieder auf. und am letzten abend die große frage: müll oder heimnehmen und in die nicht vorhandene vitrine stellen. der buddhismus sagt, man solle das loslassen üben. ich merke, wie schwer es mir hier fällt. ich starre die schuhe an. ich erinnere mich, wie sie mich so lange begleitet haben. wo sie schon überall waren. vergangenheit. loslassen üben. ein photo. mülleimer.

05.01.10

versunken und dhaba daba du -9-


entschuldigung, ich bin gerade etwas versunken in meinen ladakh-diavortrag und deswegen gerade nicht so blog-eifrig. hier aber noch der letzte rest der dhaba-daba-du-serie. nach schaukeliger fahrt durch karges berggeröll in den abgasen von trucks mit staub im mund und einem riesen-tee-durst kam endlich dieses dhaba in sicht, davor 2 vollgepackte fahrräder, drinnen vereinzelte schweigsame vor sich hinstarrende männer und ein nordirisches verschwitztes paar mit salzkrusten am t-shirt die aus srinagar kamen, wo es in den letzten wochen wieder unruhen gab, ausgangssperre, schüsse und die beiden lachten "wie zuhause!".

02.01.10

ladakhimädchen 1993

ich scanne im moment u.a. bilder aus frühen ladakhjahren und da stieß ich dieses bild. ich bin damals von likir nach khaltse gewandert, da gab es noch keine guesthouses o.ä., da hat man dann entweder ein zelt mitgehabt (ich nicht) oder privat zum schlafen nachgefragt. dieses mädchen hatte in temisgum ihren kopf aus dem fenster hängen und ich hatte sie gefragt und sie hat mich gleich zu sich eingeladen. sie hatten ein großes haus, ihr vater war beim militär, ihre mutter gerade unterwegs. wir haben ein wenig englisch-ladakhi geübt und ich war froh, dass mir den ganzen abend lang irgendwas zum kommunizieren einfiel. am morgen war die mutter wieder da und hat mir ein extra-sonntags-frühstück gemacht und wir haben auf dem dach noch ein paar bilder gemacht.
ich weiß noch genau, wie ich ein bisschen ängstlich war, ob ich wohl immer einen schlafplatz finden würde und wie es dann mit dem gast-sein ist (es fiel mir früher weniger leicht), was ich kommunizieren könnte (sprachen ja auch nicht immer alle englisch), aber wie toll ich das eigentlich fand, so durch die bergwelt zu stiefeln.
ich denke, ich könnte dieses bild dieses jahr mitnehmen und mich auf die suche nach ihr machen und mal gucken, wie ihr leben so verlaufen ist. 17 jahre ist das dann her! und obwohl ich inzwischen schon manchmal wieder die straße in temisgum entlang wanderte, weiß ich nicht mehr, welches haus es genau war und auch nicht mehr, wie sie eigentlich hieß. aber dass mich der aufenthalt bei ihr sehr gefreut hatte, das weiß ich noch genau!