30.04.11

die weberin

aus einer art garage ertönt ein klackern, tockern, klickern. ich gucke herein. zwei riesige webrahmen und lauter krams füllen den kleinen raum fast vollständig aus. ganz hinten eingezwängt läßt eine frau das schiffchen mit dem garn hin und her flitzen. darf ich reinkommen? jaja. darf ich knipsen? jaja. woher kommst du? no english. lächeln. schade. paschmina! sagt sie. dann deutet sie auf den vorderen webrahmen: sheep! der faden ist zuende und sie fädelt einen neuen ein. die füße treten rhythmisch die holzbalken. der ganze webrahmen ist ein interessantes konstrukt aus mit bändern verschnürten hölzern - in sich nachgiebig und doch stabil. ich verabschiede mich. wieviele stunden mag sie da wohl arbeiten? ganz allein. ohne musik. ohne irgendwas. nur mit ihrem schiffchen und dem garn beschäftigt. und was ihr dabei wohl durch den kopf geht?





29.04.11

busfahrn zum karmapa






in leh sind die straßen gesäumt von leuten die nach choglamsar zum karmapa fahren wollen. ich warte unten beim busstand. es ist aber kein bus weit und breit zu sehen. von oben kommen überfüllte sammeltaxen vorbeigefahren oder leere autos, die einfach vorbeibrausen. wenn doch mal eines hält, ist sofort eine traube menschen drumherum, die sich hineinschiebt und übereinanderstapelt. ich habe pech - nie hält eines in meiner nähe und ich bin immer zu spät zum reinschieben. plötzlich taucht auf der anderen seite ein leerer bus auf, macht eine 180°-wendung und schwups hängt eine traube noch während der fahrt an der offenen tür und zwängt sich rein. ich bin diesmal dicht dran. von hinten schiebt gleich eine ganze menge hinterher. ich ergattere sogar einen sitzplatz und will den kleinen jungen neben mir auf meinen schoss ziehen. eigentlich lassen ladakhische kinder so etwas stoisch über sich ergehen. aber dieser hier ist gar kein ladakhi und springt sofort wieder runter und klammert sich an seine mutter, die etwas lachen muss. er läßt sich mit vielen netten worten, lächeleien usw. auch später nicht überreden, seinen stehplatz neben mir zugunsten des sitzplatzes aufzugeben. und so ruckeln wir dicht aneindergedrängt richtung choglamsar, wo der bus seine menschentraube wieder ausspuckt.

28.04.11

der karmapa sprach

und alle strömten nach choglamsar. 

ladakh ist in der glücklichen position, in einer demokratie zu leben, die auch religionsfreiheit garantiert. damit sind die äußeren bedingungen, den buddhismus zu praktizieren, sehr gut. ladakh hat eine jahrhundertealte tradition des buddhismus, d.h. die meisten sind da hineingeboren und haben es nie in frage gestellt. aber vielleicht ist es eine gute gelegenheit einmal zu fragen, warum man buddhistisch ist.
als buddhist macht man viele rituale aus gewohnheit (rezitationen, niederwerfungen etc.), aber man weiß oft gar nicht die genaue bedeutung dessen. es ist aber gut das zu wissen, weil es sonst gar nichts bringt. insbesondere in den heutigen zeiten, wo es viele bildungsmöglichkeiten gibt und die bildung auch eine freiheit hat, ist man aufgefordert, mehr zu wissen.

und dann hörte die englische übersetzung auf, da die veranstalter befürchteten, dass das alles zu lange dauern würde. ich wollte mich beschweren gehen, da die übersetzung wirklich sehr gestrafft und präzise gesprochen wurde, aber ich fand niemanden, an den ich mich wenden konnte. dann begab ich mich auf den rückweg.

mir wurde berichtet, dass der karmapa weiter darüber sprach, wie man den buddhismus in seinen alltag integrieren solle, in seine handlungen und denkweisen. das hatte er eigentlich schon bei seiner letzten rede in ladakh erzählt, aber ich denke, man kann es nicht oft genug hören, um sich immer wieder neu dafür zu motivieren.










27.04.11

nach der flutkatastrophe III - thupten

vor einigen tagen tauchte thupten im office auf - einer, der sein ganzes hab und gut, haus und auto während der flutkatastrophe verloren hatte. natürlich fragte ich ihn, wie es ihm jetzt gehe, wo er wohne usw. und ich sagte, dass das sicherlich auch die spenderInnen interessieren würde. wir verabredeten uns für letzten sonntag, er wollte mir alles zeigen.

er holte mich mit seinem neuen auto ab. das hatte die versicherung ihm ganz ersetzt. wir fuhren in die solar colony, wo wir einen kleinen rundgang machten. er hat dort auch einen container, den er und seine familie aber nicht bezogen haben, weil sie ihn für den winter für ungeeignet hielten. die angrenzenden räume waren fertig gemauert, die schicken türen drin (ein schwager ist zimmermann), aber sonst noch nichts. gerade das ungelöste toilettenproblem fand er schwierig.

wohnen tut er mit frau und tochter im central institute für buddhist studies, wo er für 3 zimmer mit bad und küche 2.700 rs. miete zahlt, ein absolutes schnäppchen wie er findet. nur die wände sind etwas feucht und man kann sich nicht anlehnen, dann hat man sofort den putz am pullover.

im winter war er 1 monat in bodhgaya, wo er fleißig weiter buddhismus studiert hat. ansonsten geht er seiner lehrertätigkeit in der klosterschule von thikse nach. seine frau arbeitet weiterhin im krankenhaus in leh.

ich mochte ihn nicht fragen, was nun genau mit dem geld passiert ist, was er bekommen hat.




spendendilemmagedankensplitter


letztes jahr haben mir leute ca. 3.500 euro überwiesen für flutopfer, die ich nach beratungen mit den ladakhis im partnerbüro, tibetern und anderen verteilt habe. die entscheidungen, wie das möglichst "gerecht" zugeht, fand ich nicht einfach. auch weil es ja nicht mein geld war. ich habe allen spenderInnen dann jeweils berichtet, wohin ihre spenden gegangen sind.

nun bin ich dieses jahr wieder hier und dachte, ich bin es den spenderInnen schuldig, die bespendeten wieder aufzusuchen und zu schauen, was aus ihnen (und dem geld) geworden ist.

mein eigener umgang mit meinen spenden ist eigentlich ein anderer: ich gebe und dann ist es mir egal, was damit passiert bzw. ich frage nicht nach. dazu gibt es folgende geschichte:

in den 90ern hatte ich kontakt zu einer spendenorganisation, die ein nonnenkloster hier unterstützten und ständig mit denen im clinch lagen, wofür das geld zu verwenden sei. die organisation wollte, dass die alten sachen bewahrt und renoviert werden sollten, die nonnen wollten lieber abreißen und neu bauen. bei diesem disput stellte ich fest, dass mein standpunkt ist, dass man den leuten nicht diktieren darf, wofür sie spenden verwenden. auch wenn ich selber eher für renovierung war. bzw. wenn einem prinzipiell die richtung nicht gefällt, die die bespendeten einschlagen, kann man ja mit ihnen reden und dann ggf. die spenderei einstellen.

ich selber spende seit jahren für eine nonne, zuerst mit jemandem zusammen, seit einigen jahren alleine. zuerst war es eine, die mir kurz vorgestellt wurde und mit der ich nie kontakt hatte. dann gab es irgendeinen vorfall und mir wurde mitgeteilt, dass diese nonne nicht mehr unterstützt werden würde, aber eine freundin von mir hatte eine neue ausfindig gemacht. mit dieser, zangmo, habe ich kontakt (sie taucht ja auch im blog auf), sie ist mir persönlich wichtig, ich habe manchmal so eine art muttergefühle für sie und manchmal so schülerinnengefühle, weil sie so intelligent ist und buddhistisch so viel weiß. aber ich bin meinem grundsatz treu geblieben und habe nie gefragt oder in frage gestellt, was mit meinem geld genau passiert.

jetzt geht es aber um geld von anderen und ich weiß nicht, ob ich meine eigenen maßstäbe daran anlegen darf. darüber denke ich andauernd wieder nach und dachte, ich kommunizier das hier jetzt mal über den blog. die denkerei wurde besonders intensiv, nachdem ich einen der bespendeten besucht hatte. und merkte, wie schwer es mir fällt, über das geld zu reden und wie unwohl ich mich irgendwie doch in dieser rolle fühle. davon handelt der nächste post.

und ja, ich würde gerne von den spenderInnen wissen, wie ihr das seht - gerne auch per mail. ich mache dann, wie ihr mir anweist ;-)

26.04.11

nach der flutkatastrophe II

sowie sich diegelegenheit erbot, fuhr ich zur solar colony, d.h. dorthin, wo sich die zeltbewohnerInnen nach der flutkatastrophe neue häuser bauen sollten. es ist ein ödes stück geröll oberhalb von choglamsar, wo dicht an dicht neue häuser stehen, die alle aus einem container plus einem backsteinbau bestehen - in unterschiedlichen stadien der fertigstellung.

die container sind prima als aufbewahrungsraum geeignet, weil sie so abgeschlossen sind, dass keine mäuse reinkönnen. aber im winter sind sie für die luftzirkulation und somit dem kochen sehr ungünstig, durch die kälte kriegt man die fenster nicht auf und im sommer sind sie wahrscheinlich ziemlich heiß. dafür sollen sie aber sehr teuer sein.

der eigene anbau ist auch nicht gerade günstig, die ziegelsteine kosten 15 rs. das stück.

das wasser kommt per wasserwagen angeliefert.

was aber eigentlich so richtig störend ist, ist dass kein platz für toilette/bad vorgesehen ist. nun müssen alle auf das große geröllfeld ohne sichtschutz. wie die inder. hahaha. (sagte einer der bewohner)








25.04.11

sonntagswanderung II - stakmo

diese sonntagswanderung ging gründlich schief. zuerst einmal fand sie an einem montag statt, weil sonntag ja der karmapa kam und tundup nicht mitkonnte. heute konnte er auch nicht und so ging ich alleine. eigentlich war sabu-stakmo angesagt, aber wir dachten, andersrum sei einfacher. und so fuhr phurbu mich hin und zeigte mir den einstieg von weitem und fuhr wieder weg. nachdem ich das kloster angeguckt hatte (nur von außen, war niemand da und auch ungeputzt) und wieder nach dem einstieg suchte, war ich doch unsicher, welcher er jetzt genau sein sollte und stapfte einen anstieg hoch. weg gab es eher keinen, weil ziemlich viel vom letztjährigen wolkenbruch runtergespült worden war. auf einer anhöhe stellte ich fest, dass ich falsch war.




ich ging dann noch höher um zu schauen, ob es von dort aussichtsreicher aussah. evtl. war die neue anhöhe auch das richtige hochlauftal, aber ich hatte keine ahnung, wo jetzt genau weiter. wege gab es keine, nur viel geröll, welches auch noch durch die erdrutsche ganz durcheinander war. ich befand mich auf 4.000 m und hatte eine schöne aussicht und eine felszeichnung entdeckt.


aber ich dachte, es sei vielleicht besser, wieder nach unten zu gehen. dabei wollte ich gucken, ob es irgendwo einen offensichtlicheren weg zu sehen gäbe. ich sah aber keinen. dafür war dieses runtergehen doch schwieriger als gedacht - steil, teilweise locker sitzende gesteinsbrocken und vielfach musste ich richtig klettern. eine stelle war so kompliziert, dass ich erstmal den rucksack runterwarf, ich wusste nicht, wie ich mich sonst balancieren sollte. einerseits hat das alles spaß gemacht, andererseits war es doch auch eine nummer zu anstrengend. meine zitternden beine musste ich oftmals beruhigen und meine arme sind auch ganz schlapp vom vielen festhalten.
und dann sieht das ganze von unten total harmlos aus. 

ich geh jedenfalls solche touren nicht mehr ohne guide, mir fällt die orientierung doch zu schwer, wenn kein eindeutiger pfad da ist. aber diese tour gebe ich noch nicht auf, ich glaube, sie ist sehr schön, wenn man die richtige strecke geht.

ti-sei II

es ist zeit, die kleinen pflänzchen auf das große feld zu setzen. dolma baut dafür die quadrate zurecht, entfernt die steine, bekommt ein wenig hilfe von chospel und setzt dann die setzlinge nach draußen. blumenkohl und brokkoli bisher. und jeden tag füllt sich das große feld ein wenig mehr.






diese harke ist übrigens eine astgabel mit drangesetzem stück holz in das große nägel etwas eingeschlagen wurden.

24.04.11

3 stunden warten

es hieß heute, er solle um 8:30 kommen. also war ich pünktlich da. mit mir lauter uniformierte schulkinder.


nach 1 stunde ungefähr war die straße vor dem chowkang vikhara gut gefüllt und es kamen einige mönche mit den großen käppis und musikinstrumenten.

es waren inzwischen alle da, die kommen wollten und viele leute räucherten herum. und warteten. es hieß dann 10:30.


ich wartete mit. wir drängelten uns ziemlich für einen guten blick.

aber die straße blieb leer.

um 11:30 kam er dann tatsächlich. der karmapa. 3 sekunden konnte ich ungefähr einen blick erhaschen, ansonsten war er total abgeschirmt von polizei und mönchen und anderen wichtigwichtigs. er eilte in den chowkang vikhara, der direkt hinter um zugeschlossen wurde.
und was dann geschah weiß ich nicht. ich ging nämlich. die anderen wartenden auch.

23.04.11

österliches

nilza und thinle gehen auf die moravian mission school und haben somit gerade osterferien und da habe ich die gelegenheit genutzt, mit ihnen ein paar eier zu bemalen und an einen strauch zu hängen und hiermit wünschen wir allen viel spaß beim eiersuchen usw.!



das osterfeuer habe ich schon vor einigen tagen vorgezogen, da brannte es hier hübsch um die ecke. viel spaß beim flammengucken und vielleicht auch drumherumtanzen oder so.

was gäbe ich jetzt für ein blätterkrokant-ei!!!!